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Vergabe des Eduard-Breuninger-Preises 2011

Schüler bewiesen mit Herz und Hand soziale Verantwortung

„Müsst ihr schon gehen? Könnt ihr nicht noch länger bleiben?“ Diese Worte bekamen Schüler der kaufmännischen Schule von kranken Kindern aus dem Waiblinger Krankenhaus zu hören. Die Schüler besuchten die Kinderstation im Rahmen dreier Sozialprojekte zum Motto „Schüler helfen Menschen“, die um den in der Schule begehrten Eduard-Breuninger-Preis rangen. Im zweiten Jahr seines Bestehens zeigten drei Schülergruppen der gleichnamigen Schule erneut, zu welch herausragendem sozialen Engagement sie fähig sind. Der von der Eduard Breuninger GmbH ausgelobte Preis forderte die Jugendlichen heraus, sich kreativ und nachhaltig im sozialen Bereich einzusetzen – mit großartigen Resultaten.

 

Eine zehnköpfige Jury musste am Ende der Präsentationen zu den Projekten in der kaufmännischen Schule darüber entscheiden, welche Gruppe am besten „gearbeitet“ hatte. Da der Preis mit 1750 Euro dotiert ist, galt es, sich vertieft Gedanken zu machen, inwiefern das Projekt als gelungen bewertet werden kann. Diese Verantwortung trugen als Jurymitglieder auch Dr. Anke Hoffmann und Andrea Rehm, die als Vertreterinnen der Eduard-Breuninger GmbH von den Leistungen der Jugendlichen sichtlich angetan waren. Auch Lehrer der Schule, der Schülersprecher, sowie die Elternvertreterin mussten sich mit den Aktivitäten der Schüler auf der Kinderstation, im Seniorenheim Erich-Schumm-Stift und in der Murrhardter Bodelschwingh-Schule auseinandersetzen. Besonders bezüglich der nachhaltigen Wirkung und der kreativen Umsetzung fanden sich Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede. Alle Projekte wurden neben dem Unterricht entwickelt und umgesetzt. Eine zusätzliche Belastung, welche sich für die Schüler jedoch lohnen sollte. Nicht nur hinsichtlich des Geldpreises.

 

Den dritten Preis errang die Klasse 11/1 des Wirtschaftsgymnasiums. Zwanzig Schülerinnen der Klasse entwickelten ein 4-tägiges Nachmittagsprogramm, an dem sie mit den erkrankten Kindern im Krankenhaus Handpuppen und Modell-Aquarien aus Pappmache herstellten. Zudem verschönerten sie gemeinsam mit den Kindern die Räumlichkeiten mittels Fensterfarben und veranstalteten Schminkstunden. Ziel der Gruppe war es, den Alltag der Kinder im Krankenhaus abwechslungsreicher zu gestalten und es ihnen zu ermöglichen, sich wohler zu fühlen. Sichtlich genossen die Kinder die Anwesenheit der Schülerinnen und gingen mit großer Freude an die Bastelarbeiten. Alle Aktivitäten wurden mit den Verantwortlichen im Krankenhaus abgestimmt. Ohne eine sorgfältige Planung und eine gewissenhafte Termingestaltung in Absprachen mit der Erzieherin, den Krankenschwestern und der Stationsleiterin hätte dies nicht funktionieren können.  Zum zweiten Preis reichte es für die Schüler des Berufskollegs mit dem kryptischen Klassenkürzel 1BK1W3Ü. Klarer hingegen ihre Gestaltung und Zielsetzung, mit den Senioren im Erich-Schumm-Stift in Murrhardt gemeinsam zu backen, zu basteln und zu spielen. Im Februar wurden Fastnachtsküchle hergestellt und Masken gebastelt. Im ganzen Stift wurden die Backwaren verteilt und mit den Senioren gemeinsam verzehrt. An einem zweiten Termin im März gab es das große Eierfärben. Die Sehschwächen mancher Senioren überbrückten die Schüler mit gemeinsamen Brettspielen. Den dritten Tag im Stift verbrachte man damit, die Handabdrücke aller Teilnehmer und Senioren auf einem bunten, überdimensionalen Plakat festzuhalten, versetzt mit Bildern, die an den Tagen miteinander entstanden sind. Abschließend veranstalteten die Schüler einen Sitztanz, der auch mit den Rollstühlen funktionieren konnte.

 Gewonnen haben alle Gruppen. Allemal an Erfahrung und an Gewissheit, dass sich Engagement in unserer Gesellschaft lohnt. Dass sich dieses besonders im zwischenmenschlichen Bereich zeigt, mag von vielen Jugendlichen so nicht vermutet worden sein. Sehr intensiv zeigte sich dies beim Projekt der Klasse 11/3 des Wirtschaftsgymnasiums. Ihr Ansatz war, mit einer Klasse der Bodelschwingh-Schule in Murrhardt zusammenzuarbeiten. Es wurde mit den geistig- und körperbehinderten Schülern der Klasse HO 3 und ihrer Lehrerin, Frau Gesing, vereinbart, an einem Hilfsprojekt für  Schüler in Burkina Faso teilzunehmen. Dieses existiert bereits an der Bodelschwingh-Schule und zielt darauf ab, über Spenden die Unterrichtssituation in diesem afrikanischen Land zu verbessern. Hier sahen die Gymnasiasten einen Ansatzpunkt, überaus nachhaltig wirken zu können. Ihre Idee: gemeinsam mit den Murrhardter Schülern Ostersachen und Spiele zu basteln, um diese auf einem Ostermarkt zu verkaufen. Ihr Startkapital beschafften sie sich über einen Kuchenverkauf auf einem Wochenmarkt – kein Sponsor war vonnöten.  Die Bodelschwingh-Schüler haben öfters Unterricht im Weltladen in Murrhardt. Diesen übernahmen dort die Eduard-Breuninger-Schüler an zwei Vormittagen im Fachbereich Mathematik und gestalteten eine Präsentation zu Afrika. Das angestrebte Kennenlernen funktionierte außerordentlich gut, Berührungsängste verflogen schnell. Gemeinsam wurden Backwaren für den Ostermarkt hergestellt, dieser mit drei Ständen besucht. An einem weiteren Tag gestalteten die Jugendlichen eine gemeinsame Schnitzeljagd auf dem Schulgelände. Vor den Aktivitäten beschäftigten die Schüler viele Fragen: “Wie gehe ich auf behinderte Menschen zu? Wie reagieren sie auf mich? Wie kann ich mit ihnen umgehen?“ Sie fanden Antworten hierauf - sehr gute, wie die Jury feststellen konnte. Insofern verwundert das Urteil der Jury nicht: Für diese Projektgruppe gab es den ersten Preis, der mit 850 Euro dotiert war. Die zweitplatzierte Klasse erhielt 700 Euro, die Drittplatzierten 200 Euro. Alle Gelder fließen in die Klassenkassen und finden Verwendung für zukünftige Aktivitäten.

 

Vielleicht gilt für alle Projekte das Credo der Gruppe, die mit den Bodelschwingh-Schülern zusammenarbeitete: „Unser Ziel war es, andere Menschen für wenige Momente glücklicher zu machen. Ihnen zu helfen, sie zu integrieren. Ihnen die Chance zu geben uns kennenzulernen und herauszufinden, dass wir alle eine Einheit sind. Ihnen dieses Gefühl ein bisschen näher zu bringen und versuchen zu zeigen, dass sie wertvoll sind.“ (entnommen aus den Präsentationsunterlagen der 11/3).

 

Bernd Haller